Public Resident – Borsig11

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Seit Januar bin ich als Public Resident Teil des Projektes „Die Chance“. Der Verein Machbarschaft Borsig11 veranstaltet dieses Projekt mit Unterstützung der MONTAGSTIFTUNG. Näheres siehe hier: http://www.borsig11.de/wordpress/public-residence/

Machbarschaft Borsig11 lädt 1000 Teilnehmer ein, an der Gestaltung einer neuen Öffentlichkeit mitzuwirken. Vier Künstler leben für ein Jahr am Dortmunder Borsigplatz und entwickeln gemeinsam mit ihren Nachbarn Projekte, die das Quartier verändern.

Jeder Teilnehmer erhält die Option auf 100 „Chancen“ (Kunst-Währung: 1 Chance = 1 Euro). Dieser Wert wird real, wenn er in eines oder mehrere der Projekte investiert wird. Die Bewohner verfügen über die Mittel. Sie bestimmen, was möglich ist, und was wahr wird. Ihre Beteiligung ist Voraussetzung und Ziel der Arbeit.

Rolf Dennemann ist freier Regisseur, Autor und Schauspieler, wohnt schon lange in der Nähe des Borsigplatzes. Seine Ideen handeln hier, wo er zu Hause ist, nicht vom Theater, sondern vom Erzählen und Zuhören. Er betätigt sich als Aufschreiber und Gesprächspartner. Außerdem werden seine Installationen und Aktionen das Viertel vom „Kleinen ins Große“ rücken. Kontakt: rolf(at)borsig11.de

Projekte:
Pläne des Künstlers als Person öffentlicher Residenz

Der Künstler setzt sich auf einen dafür vorgesehen Stuhl. Schaut, rückt sich zurecht. Dann sitzt er da als Chronist, Kleinabenteurer, Flaneur. Dichter, Erfinder. Es versammelt sich eine Zuhörerschaft, schwätzt miteinander, grüßt, schaut auf den Mann, der hier heute seine künstlerischen Vorhaben präsentiert. Er will Gesprächspartner sein, sagt er, Zuhörer und Komplize. Er trägt seine schwarze Kappe, die ihm etwas mehr Schwung verleiht. Man kündigt ihn an und es wird stiller im Ladenlokal:

Der Film- und Fernsehschauspieler, Autor und Regisseur Dennemann stellt sein Projekt vor.

Es besteht aus mehreren Komponenten:

1.

Erzählen und lesen

Zuhören und festhalten

Erfinden und spinnen

Meckern und meutern

Gestalten und verändern

Bei seinen Sprechstunden wird er Texte vorstellen, die alle rund um den Borsigplatz spielen und verfasst wurden. Er nennt sie Borsig-Blinks.

Bringt Eure Erinnerungen mit und erzählt einfach mal, was es so zu erzählen gibt, auch wenn es Euch auch noch so unwichtig und alltäglich vorkommt. Wir machen daraus mit Euch zusammen ein kleines Programm. Nehmt die CHANCE wahr. „Das Große im Kleinen“ – das sind die kleinen Geschichten aus dem Viertel, die überall auf der Welt so oder ähnlich passieren und zu etwas Großem werden.

“Vorige Woche, da hat doch jemand geschellt,…”

– „Erzähl mal!”

Werdet konspirative Mitarbeiter und Komplizen, Script-Assistenten, Requisiteure und Produktionshelfer!

Wir erfinden eine Hauptfigur, Nebenrollen und Situationen. Jemand, der hier wohnen könnte, ist der Held und wir lassen ihn/sie all diese Geschichten erleben – eine Serienfigur sozusagen, ein Comic-Held, eine Romanfigur?

2.

Es entsteht ein Drehbuch und alles geschieht hier vor der Tür, in den Hinterhöfen oder Wohnungen. Spannung am Borsig. Fantasie erlaubt alles.

3.

VIPS am Borsig – Aktion zur Stärkung des Binnentourismus – Neue Berühmte – eine Führung entlang der Oesterholzstrasse

Wir erforschen die vernachlässigten Orte, erkunden Adressen, die bisher in den Geschichtsbüchern keine Erwähnung fanden. Diese Orte werden nun benannt. „Erinnerungsschilder“ weisen darauf hin. Hier erfahren Sie vom „Kleinen im Großen“, von unentdeckten Schriftstellern, Erfindern, Nachkommen einst berühmter Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft. Den Handwerkern, Arbeitern und Lebenskünstlern wird der Raum gegeben, der ihnen zusteht. Staunen Sie, wundern Sie sich, wer alles hier wohnt oder gelebt hat.

Während einer besonderen Führung werden Geschichten erzählt und Erinnerungsmarken gesetzt. Die Oesterholzstrasse wird zu einem Touristenzentrum. Busse kündigen sich von überall an.

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..und erwähnt noch:

„Wir arbeiten mit Ihren/Euren Vorschlägen. Nehmt die CHANCE wahr. „Das Große im Kleinen“ – das sind die kleinen Geschichten aus dem Viertel, die überall auf der Welt so oder ähnlich passieren und zu etwas Großem werden.

Ohne Alltag keine Kunst. Die meisten Geschichten entstehen aus Beobachtungen, eigenen Erlebnissen der Schriftsteller, Drehbuchautoren oder andern Künstlern. Das scheinbar Alltägliche, Einfache, wird oft zu einem Werk, das die Hintergründigkeit und Tiefe des Ach-so-menschlichen beleuchtet oder offenlegt. „

Der Künstler ist angeregt. Die Protagonisten plaudern kreuz und quer. Der Abend dauert länger als geplant. Er macht sich aus dem Staub, sitzt zu Hause an seinem Schreibtisch und versucht, Gedanken und Gesprächsfetzen zu sortieren. Ihm wird schwindelig. Kein Wort kommt über die Tastatur auf das weiße leere Display. Overkill. ER schaut die Spätausgabe des „Tatortes“, legt sich müde in sein Gemach und träumt von einem Aufmarsch der Bewohner gegen Gleichgültigkeit.